Lose Gedanken

Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben

Verfasst von: hjg Am: 28. Februar 2011

Gerade habe ich das Buch “Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben” von Ben Furman zu Ende gelesen. Auch wenn er den Ausspruch nicht erfunden hat, sondern auf einem Motorrad-Aufkleber las, hat er zur Popularität des ”Konzepts” sicher viel beigetragen. In seinem Buch stützt er sich vor allem auf die Aussagen von Betroffenen und beleuchtet was ihnen Hilfe und Hoffnung gab.

Man kann einiges von dem was man versäumte nachholen und man darf dem vermissten (eine gewisse Zeit) nachtrauern, aber sollte keinesfalls meinen, man ist ein schlechterer Mensch oder lebenslanges Unglück sei vorherbestimmt, weil man eine schwierige Kindheit hatte. Stattdessen sollte man die Aufmerksamkeit auf die eigenen Stärken und Strategien richten. Das ist bei mir als Kernaussage angekommen.

Ein paar Lieblingsstellen von mir:

“Beim Lesen entwicklungspsychologischer Literatur, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Kind eine ideale Mutter, einen immer anwesenden Vater und mindestens eine Schwester oder einen Bruder haben muss, um sich geistig zu einem gesunden Individuum entwickeln zu können. Woher stammt so ein unmöglicher Mythos?” (S. 21)

“Es gibt viele Wege, seine vergangenen Erlebnisse besser verstehen zu lernen. Wir können lesen, hören, was Fachleute zu sagen haben, selbst nachdenken oder mit anderen Menschen reden, die Ähnliches erlebt haben.” (S. 38)

“Langsam erkenne ich, dass meine Eltern auch nur unreife Blagen waren. Wer bin ich, um sie zu verurteilen. Ich merke bei Ihnen keinerlei Entwicklung, obwohl sie schon über das mittlere Alter hinaus sind. Für mich ist es nur ein wunderbares Gefühl, dass ihre Probleme nicht mehr meine sind.” (S. 42) 

“Wenn das Kind merkt, dass seine eigenen Lösungen geschätzt werden, fängt es an, sich selbst zu schätzen und ist eher stolz über die eigenen Lösungen als unglücklich, zum Opfer geworden zu sein.” (S. 50)

“Ich bin wie ein alter Korb voller Teppichwebknäuel. Ein Teil der Knäuel ist fest zusammengerollt, manche sind lose, manche nachlässig gerollt. Ich betrachte diese Knäuel mit den Augen meiner Seele, ich wickele sie ab und wickele sie wieder zusammen, und aus manchen habe ich schon einen neuen Teppich für einen anderen Zweck gewebt.” (S. 74)

Beispiele dafür, was anderen Menschen geholfen hat ihre Kindheitserlebnisse zu bewältigen:

  • Andere Menschen
  • Die Natur
  • Die Phantasie
  • Schreiben und Lesen
  • Andere Mittel (gute Leistungen in Schule und Beruf, Hobbys, Religion, Familie, Therapie…)
  • Verstehen der eigenen Situation

Zum Schluss des Buches sind die wesentlichen Punkte noch mal zusammengefasst (S. 99):

“Schätze es, wie Du Schwierigkeiten in Deinem Leben überwunden hast.

Siehe Probleme, die Dir begegnet sind, als Prüfsteine, die Dich als Mensch weitergebracht haben.

Merke Dir die Ressourcen die in Dir und um Dich sind; es gibt mehr davon als Du ahnst.

Schätze Deine Entwicklung und Deine Erfolge und richte Deine Aufmerksamkeit auf Zeichen, die dafür sprechen, dass Du auf dem richtigen Weg bist.

Sei Dir bewusst, was Du vom Leben erwartest und Dir von der Zukunft wünschst. Wünsche haben die Neigung wahr zu werden, aber kein Wind ist günstig für ein Schiff, das kein Ziel hat.

Glaube daran, dass Du eine gute Zukunft verdient hast. Wenn die Vergangenheit schwer war, um so eher hast Du sie [die gute Zukunft] verdient.

Sei barmherzig mit Dir selbst und denke daran, Du bist nicht allein: Es lohnt sich die Senfkörner zu suchen, auch wenn man sie nicht findet [nimmt Bezug auf ein Gleichnis von Seite 34 des Buches, das hier nachgelesen werden kann].”

Ich mag das kleine Buch, trotz einiger Rechtschreibfehler in der deutschen Übersetzung und ohne mit allem einverstanden zu sein was er sagt, weil sein Buch Mut macht und erklärt, dass Menschen auch unbeschadet ohne Vater oder Mutter aufwachsen können und Menschen mit schwieriger Kindheit gesunde Erwachsene sein (oder werden) können (lesenswert!).

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