Lose Gedanken

27. Oktober 2007

Doublebinds (Doppelbindungstheorie)

Gespeichert unter: Kommunikation, Verhalten — hjg @ 20:10

Unter Doublebinds versteht man eine „paradoxe Kommunikation“. Zum Beispiel werden zwei Aufforderungen zum Handeln gegeben, die sich gegenseitig ausschließen (“Wasch’ mich, aber mach’ mich nicht nass!”). Der Angesprochene kann die an ihn gestellte Aufgabe nicht lösen und weiß nicht was er tun soll um den Anforderungen gerecht zu werden.
Oder verbale und nicht verbale Signale stehen in Widerspruch zueinander, durch das Verhalten oder die Körpersprache wird also der eigentlichen Aussage widersprochen. Der Betroffene muss sich für eine der Deutungen entscheiden, er wird unsicher denn er kann seiner (widersprüchlichen) Wahrnehmung nicht trauen. Am größten wird die Tragik in diesem Dilemma wenn ein Abhängigkeitsverhältnis besteht.

Es ist schwer als Kind in einer Familie aufzuwachsen in der paradox kommuniziert wird. Kinder sind vom Wohlwollen der Eltern abhängig. Sie müssen sicher sein die Gefühle und Aussagen der Eltern richtig einzuordnen. Sie haben nicht die Möglichkeit auf widersprüchliche Signale angemessen zu reagieren, weil ihnen die notwendigen Strategien noch fehlen und das Herstellen eines ausreichenden Abstandes zur Situation nicht gelingen kann (Kommunikation auf einer Meta-Ebene). Die so geprägten Kinder neigen dazu ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen.

Doublebinds kommen oft in Folge eines Traumas zu Stande („Totschweigen“ der traumatischen Ereignisse und „Übergehen zur Tagesordnung“). Sie können bei Kindern die diesem Kommunikationsverhalten längere Zeit ausgesetzt sind aber auch selbst traumatisierend wirken und letztlich sogar eine Schizophrenie begünstigen.

Das Doublebind-Verhalten wird in der Familie erlernt und in das Repertoire der persönlichen Kommunikationsmuster aufgenommen. Im Erwachsenenalter wird die Nähe zu ähnlich gearteten Menschen gesucht, mit denen eine eindeutige Kommunikation dann aber ebenfalls nicht möglich ist. Stattdessen werden bekannte aber destruktive („missdeutige“) Kommunikations- und Verhaltens-Muster in der Partnerschaft und in der eigenen Familie etabliert. So können die negativen Folgen eines Traumas auf nachfolgende Generationen vererbt werden.

Eine schwierige Ehe-Scheidung mit dem “Aufhetzen der Kinder“ gegen den jeweils anderen Elternteil, erzeugt ebenfalls eine solche Zwickmühle in der Gefühlswelt des Kindes die nicht aufgelöst werden kann! Paradoxe Kommunikation findet sich auch außerhalb der Familien wieder: Überall dort wo Lippenbekenntnisse lautstark verkündet aber andere Realitäten gelebt werden.

So zumindest habe ich das Buch „Wege aus der Zwickmühle“ verstanden. Es wurde von Christiane Sautter und Alexander Sautter geschrieben (lesenswert!).

Die gute Nachricht ist: Man kann es sich wieder abgewöhnen!

2 Kommentare »

  1. [...] Es gibt verschiedene Mitgliedsfunktionen und vor allem ein dynamisches Gleichgewicht. Veränderungen und Störungen veranlassen uns deshalb zu Ausgleichshandlungen innerhalb unseres Systems. Das ist alltäglich und richtig, solange jedes Mitglied im Rahmen seiner Stellung und seiner Möglichkeiten, das heißt ohne Selbstaufgabe, seinen Anteil zum Ausgleich beisteuern kann. Oder anders ausgedrückt: Solange eine Anpassung möglich ist und dabei niemand überfordert wird (z.B. Traumata, Doublebinds). [...]

    Pingback von Beziehungsnetze « Lose Gedanken — 15. Dezember 2007 @ 22:12 | Antworten

  2. [...] Unter Doublebinds versteht man eine “paradoxe Kommunikation”. Verbale und nicht verbale Signale stehen dabei regelmäßig in Widerspruch zueinander: Durch das Verhalten oder die Körpersprache wird also der eigentlichen Aussage widersprochen. (Quelle: losgedanken.wordpress.com) [...]

    Pingback von Doppelbindung | Inkonsequenz.at — 8. April 2008 @ 09:04 | Antworten


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